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Fitnessstudio oder Sportverein

Fitnessstudio oder Verein?

Schon lange stelle ich mir die Frage, ob ich in einem Fitnessstudio oder einem Sportverein besser aufgehoben bin. Vor 20 Jahren war der Vereinssport fester Bestandteil jedes Freizeitlebens. Doch unsere Wahrnehmung von Sport, Gesundheit, Wohlbefinden und auch dem Sportverein ist über die letzten Jahre ganz anders geworden. Ob Fußball, Ballett, Handball oder Kinderturnen, wir alle waren in unserem Leben mit Sicherheit schon einmal Mitglied in einem Sportverein und können uns an die grell beleuchteten Turnhallen erinnern, in denen man zusammen mit anderen Kindern oder Freunden die verschiedensten Sportarten ausprobiert hat. Wenn ich an meine Kindheit denke, habe ich jede Menge Sportarten ausprobiert: Handball, Ballett, Kickboxen und sogar Yoga.

„Ein Verein ist kein Zustand, sondern ein Prozess.“ (frei nach Ludwig Bölkow, deutscher Ingenieur)

Doch wann hat das alles aufgehört – ein Mitglied in einem Sportverein zu sein? Mit Sicherheit gibt es noch ein paar von uns, die ihrem Verein treu geblieben sind. Die immer noch 2-3 Mal pro Woche ihre Trainingseinheiten abhalten und am Wochenende, je nach Sportart, ein Spiel oder einen Wettkampf haben. Aber die Mehrheit hat sich irgendwann abgemeldet, keinen Sport mehr betrieben oder sich einem Fitnessstudio zugewendet. So wie ich auch. Und warum? Fitnessstudios sind oft besser ausgestattet. Du zahlst einen sehr geringen monatlichen Beitrag und kannst trainieren wann du willst und was du willst. Da gebe ich dir natürlich Recht – wenn du es aus dieser Sicht betrachtest, hat ein Fitnessstudio schon ein paar Vorteile. Zumindest dann, wenn du wirklich regelmäßig hingehst. So habe ich es auch gemacht – machmal mehr, manchmal weniger fleißig. Doch irgendwann habe ich angefangen etwas zu vermissen und ich wusste lange Zeit nicht was. Es war so ein Gefühl das mir fehlte. Ein Gefühl, das ich nicht genau beschreiben konnte.

Und dann fiel es mir ein. Wenn ich an meine Kindheit und Jugend zurück denke und an alle Sportvereine, die ich gesehen habe, dann sehe ich zwar grelle Turnhallen und nicht gerade die modernsten Duschen aber ich sehe auch jede Menge Spaß, neue Freundschaften, Ansporn durch meine Trainer, tröstende Worte wenn mal etwas nicht geklappt hat, individuelle Anleitungen und ein breites Lächeln wenn ich mich persönlich weiterentwickelt habe, anerkennende Worte für ein gutes Training, Zusammenhalt und Rückhalt auch bei privaten Problemen. Ich sehe eine zweite Familie. Und das kann ich für mich sagen – die habe ich in meinem Fitnessstudio nicht gefunden.

 

Versteh mich nicht falsch. Meine Intention ist es nicht, Fitnessstudios schlecht zu machen. Ich bin immer noch in einem angemeldet und gehe auch regelmäßig hin um mich auf mein Training vorzubereiten, fit zu bleiben und auch ein bisschen zusätzlichen Sport zu betreiben. Aber ich für meinen Fall habe festgestellt, dass ich ein Vereinsmensch bin. Ich brauche diese Kontakte in meinem Leben und ein Umfeld, das mich motiviert. Mir ist der Austausch wichtig und die Freundschaften, die durch den gemeinsamen Sport entstanden sind. Auch wenn ich heute nicht bei jedem Training dabei sein kann, weiß ich, dass ich immer mit offenen Armen empfangen werde, wenn ich einmal längere Zeit nicht da gewesen bin. Und dieses Gefühl macht für mich einen Verein aus.

Du musst für dich selbst entscheiden, was dir am liebsten ist. Vielleicht bist du ein Sportler, der die Einsamkeit beim Sport vorzieht, weil du dich dann besser konzentrieren kannst. Vielleicht bist du aber auch ein Mensch, der in der Gruppe auflebt und der zu Höchstleistungen aufläuft, wenn du Motivation durch deine Sportkollegen erhältst. Oder vielleicht bist du auch so wie ich und magst ein bisschen von beidem. Was ich dir mit diesem Artikel zeigen möchte ist, dass da draußen noch mehr existiert als nur das Fitnessstudio bei dir um die Ecke. Vielleicht gibt es eine Straße weiter schon den nächsten Sportverein mit witzigen und netten Leuten, die genau die Sportart machen, die du schon so lange ausprobieren wolltest. Ein Versuch ist es wert – oder was meinst du?

Photo by luthfi alfarizi on Unsplash